In Veränderungen stärker werden – nicht schwächer

*Was Hitze, der American Virus und dein Betriebssystem gemeinsam haben*

Ich glaube, es ist ein guter Moment für einen Impuls.

Wer mich und meine Arbeit kennt, weiß: ich habe in über 20 Jahren viele Phasen durchgemacht. Immer mehr weg von der rein intrinsischen Betrachtung – ich und mein Erleben – hin zur Wechselwirkung mit dem größeren System. Das letzte Jahr habe ich damit verbracht, die wesentlichen Punkte in das Fünf-Seen-Programm zu kondensieren: Was brauchen wir, um unser Betriebssystem – das, was uns in unserem Menschsein ausmacht – auf Stand zu bringen? Worauf laufen Familie, Erfolg, Geld, Erfüllung? Auf dieser Ebene. Und die braucht ein Update. In einem Ausmaß, das uns wahrscheinlich noch gar nicht klar ist.

Der American Virus

Lass uns kurz zurückschauen.

In der Generation meines Vaters – er war 1910 geboren – gab es so etwas wie Bildungsbürgertum. Instrumente lernen, Bücher lesen, die Klassiker. Bildung war mindestens gleichbedeutend mit Status und Erfolg. Und Reichtum wurde eher skeptisch betrachtet.

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg ist etwas passiert, das Trevanion als den American Virus bezeichnet: Coca-Cola, Marlboro, Kaugummi, easygoing Typen – und ein Wertesystem, das das alte auf den Kopf stellt. Das Dumme an einem verlorenen Krieg ist, dass man sehr schnell bereit ist, alle Verbindungen in die Vergangenheit abzuschneiden. Das haben wir gründlich getan.

Den Rest hat die Digitalisierung besorgt – getrieben vor allem von amerikanischen Unternehmen. Der American Virus hat eine Form gefunden, die grenzenlos und digital ist. Die letzte Instanz, die wir gerade erleben: KI, und eine nie dagewesene Machtkonzentration bei Tech-Unternehmen.

Warum wir nicht mitgekommen sind

Als Menschen haben wir lange Entwicklungszyklen. Der Körper ist langsam. Gewohnheiten zu verändern dauert. Die Welt der letzten 50 Jahre hat sich aber radikal schnell verändert – und wir sind nicht hinterhergekommen.

Was wir getan haben: wir haben uns dem Virus angepasst. Geld, Erfolg, Status, Macht. Selfies und Frontkameras. Das Gefühl, ständig nicht genug zu sein. Das ist kein Zufall – es ist Marketingprinzip. Und zuletzt sind wir auch noch über den Körper gegangen: Quantified Self, alles messbar, alles optimierbar, alles kaufbar.

Angst ist in Krisensituationen ein schlechter Ratgeber

Jetzt ist es heiß. Früh im Jahr, sehr heiß. Und das Geschrei ist groß.

Klimakatastrophe, Sonne tötet, Hitze tötet, vulnerable Gruppen. LinkedIn voll mit Notarztberichten. Du musst dich schützen. Das ist, wörtlich, der gleiche Speech wie bei Corona.

Wenn die Amygdala aktiviert ist, hast du drei Optionen: kämpfen, flüchten oder einfrieren. Eine vernünftige Handlung ist keine davon. Du verlierst den Blick aufs Ganze.

Die Situation selbst ist eigentlich simpel: Es wird heißer. Unsere Körper sind es nicht gewohnt. Was passiert? Du kaufst Sonnencreme, Schwimmshirt, Ventilatoren – Klimaanlagen. Und was machen diese Hilfsmittel mit dir? Sie machen dich nicht stärker. Im Gegenteil: wenn der Strom ausfällt und du bist Klimaanlage gewöhnt, bist du schlechter dran als vorher.

Stärker werden – nicht schwächer

Die einzige Möglichkeit: **In Veränderungsprozessen stärker werden, nicht schwächer.**

Das gilt für Hitze. Das gilt für KI. Das gilt für Scheidungen, Umbrüche, Krisen jeder Art. Nur durch Adaption ist die Menschheit zu dem geworden, was sie heute ist. Das ist der Pivoting Point: wirst du stärker oder schwächer?

1. Mach dich frei vom Gebrüll. Sonne tötet nicht. Im Gegenteil – Sonne hält unseren Zellstoffwechsel am Laufen, sie ist die fundamentale Energiequelle für alles, was in unserem Körper funktioniert. Lass dir nicht einreden, dass da draußen etwas ist, das dich zerstört – und von dem nur ein Produkt dich retten kann. *(Wer tiefer einsteigen will: [→ Jack Kruse über Sonnenlicht und Mitochondrien](https://www.youtube.com/watch?v=f3CLZVZfTH8))*

2. Setz dich dem aus. Intelligent, maßvoll, immer ein bisschen mehr. Ich sitze gerade in der Morgensonne. Irgendwann wird es mir zu warm – dann gehe ich in den Schatten. Das reicht. Kein Drama.

3. Schau, wie andere das schon lange machen. Es gibt Länder, die seit Generationen mit Hitze umgehen. Klau, adaptier, nutz die Erfahrung der anderen. Das gilt für jede Krise.

4. Hör auf zu jammern. In dem Moment, wo du jammerst, machst du dich zum Opfer. Das verhindert, dass du dich kraftvoll mit einer Sache auseinandersetzt. Übernimm die Verantwortung für deine Adaption.

Long-term wirst du dadurch stärker – und vermutlich nicht zu denen gehören, die die Hitze dahinrafft.

Wie genial ist das denn?

Genieß den Sommer. Sonne ist geil.

Axel Kellerbauer

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