„Fokus“ – einer der größten Leadership-Mythen der letzten Jahre
Warum „Reclaim Your Attention“ die bessere Antwort ist…
Wissen ist der Trostpreis im Leben. Hier nochmal ein sehr schönes Beispiel dafür.
Immer wenn du mit Buzzwords zu tun hast wie Klima, Defense, Verteidigung, Rüstung, Gesundheit und Ähnlichem, darfst du anfangen, skeptisch zu werden. Diese Begriffe beschreiben etwas, das wir als Menschen so gar nicht kennen. Sie sehen aus wie eine Meta-Ebene. Letztendlich sind sie aber ein Objekt. Ken Wilber hat das in seinem Quadrantensystem sehr schön dargestellt: Genau da fehlt die Seite, die eine Veränderung, eine Handlung überhaupt erst möglich macht.
Das heißt: Du kannst jede Menge von dem Zeug anhäufen, ohne dass irgendetwas passiert. Ohne dass etwas Wirklichkeit wird.
Ein kleines Beispiel, das mir gerade runtergekommen ist.
Da schreibt ein kluger Mensch über den Begriff Fokus und berichtet: 47 Prozent der Führungskräfte verlieren Umsatz durch Ablenkung. 12 Prozent über 100.000 Euro. 9 Prozent sogar über eine Million. Nicht wegen fehlender Ideen. Nicht wegen fehlendem Kapital. Wegen fehlendem Fokus. Und dann kommt noch irgendwas mit Teamkonflikten, schlechten Entscheidungen obendrauf.
Die Schlussfolgerung, die daraus meistens gezogen wird: Fokus ist keine Frage der Disziplin des Einzelnen. Fokus ist eine Führungsaufgabe.
Das ist völliger Schwachsinn.
Denn was danach kommt, sind immer dieselben Ideen: priorisieren, Prozesse vereinfachen, KI einbinden. Alles Tools. Alles Oberfläche.
Fokus ist etwas komplett anderes, wenn du nach innen schaust. Und nach innen trifft den Punkt am ehesten die Idee, die wir seit Jahren priorisieren: Reclaim Your Attention.
Die meisten Führungskräfte trainieren ihn wie einen Muskel – und werden trotzdem abgelenkt, reaktiv und erschöpft. Was wirklich fehlt, ist nicht mehr Fokus. Es ist die Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit wieder zurückzuholen.
Die Netzwerke sind voll davon. Die Unternehmen sind voll davon.
Wir haben seit Jahren in Unternehmen priorisiert, klare Signale zu setzen. Die angelehnte und die geschlossene Tür, zum Beispiel. Oder, wenn du mit mehreren Leuten in einem Büro sitzt: ein Kopfhörer, idealerweise Noise Cancelling, wenn du fokussiert arbeiten willst. Man kann Teammitglieder darauf tatsächlich trainieren.
Aber der wesentliche Punkt liegt im inneren System. Es ist im Grunde genommen ein untrainierter Geist, der zulässt, dass seine Attention, also die Fähigkeit, den Fokus auf etwas zu lenken, ständig irgendwo gekapert wird. Von Dingen, die uns neugierig machen. Von Empörung. Und, noch größer, vom Krisengeschrei. Immer wenn es ums Überleben geht, wenn es tatsächlich ums Eingemachte geht, sind wir bereit, unsere Aufmerksamkeit sofort fallen zu lassen und auf etwas anderes zu richten.
Und das ist tatsächlich crucial.
Wir haben nur eine bestimmte Anzahl von Focus Points am Tag zur Verfügung. Genauso wie wir nur eine bestimmte Anzahl von Entscheidungen treffen können. Und der Tag hat nur eine bestimmte Anzahl von Stunden.
Reclaim Your Attention ist deshalb der deutlich richtigere Ansatz, als zu sagen: Wir müssen uns mehr fokussieren, wir brauchen mehr Dinge, mehr Klimaschutz und was auch immer. Nein. Die Frage ist tatsächlich: Was braucht es im Inneren, damit du in diesem Moment bewegt wirst – oder eben nicht bewegt wirst, damit du fokussiert bleiben kannst?
Das ist eine Frage der persönlichen Entwicklung, der Reifung. Und in allererster Linie eine Frage der Perspektive.
Wenn du in der Perspektive Fokus stehen bleibst, wirst du nie auf die Idee kommen, dass es mit deiner Aufmerksamkeit zu tun haben könnte.
Mit der Art, wie dein Mind mit deiner wertvollsten Ressource umgeht: Attention, Achtsamkeit, Beachtung, Präsentwerden. Oder wie er zulässt, dass mit ihr umgegangen wird.
Harter Tobak. Aber genau da führt der Weg rein. Genau darum geht es.
Somatic Awareness spielt dabei eine große Rolle. Embodiment, dein eigener Körper. Ruhe spielt eine große Rolle. Gelassenheit. Entspannung. Wenn Adrenalin oder ähnliche Botenstoffe dein System gekapert haben, ist deine Aufmerksamkeit komplett weg. Sie wird tatsächlich übernommen. Von etwas anderem.
Und all das ist Übungssache.
Üben kannst du am allerbesten – ich traue mich fast nicht, es zu sagen – mit einem dezidierten, erfahrenen Partner. Mit einem Gegenüber, das dich durch solche Prozesse wirklich begleiten kann.
Der Coaching 5 Seen Prozess hat einen eigenen See, der genau das erforscht. Und Wunder über Wunder: der heißt Reclaim Your Attention.
Tief statt schnell.
Axel Kellerbauer
Coaching 5 Seen® | coaching-5seen.de
